Auf der Stadtbefestigung einmal rund um Dubrovnik

Zum Monatsspaziergang im Juni sind wir oben auf der Stadtbefestigung einmal rund um die Altstadt von Dubrovnik spaziert. Zwar fehlen immer noch ein paar Beiträge zu unserem Kurzurlaub in Slowenien in Bled und Ljubljana, die folgen schon noch. Unser Kurzurlaub in Dubrovnik war auch gleich danach, am langen Wochenende um Fronleichnam. Eine lange Fahrt im Reisebus, eigentlich zwei, für nur 2 Tage Aufenthalt, aber es hat sich trotzdem ausgezahlt. Trotz Wind (nicht die gefürchtete Bora, der Scirocco hat aber auch gereicht) und trübem Himmel und gelegentlichen Regenschauern. Baden wollten wir eh nicht, und für Stadtbesichtigung war nicht heiß eh besser. Die Altstadt von Dubrovnik ist generell sehr nett, ich hätte da auch noch ein paar Fotos mehr zu bieten. Aber hier und heute zum Monatsspaziergang umrunden wir die Altstadt auf der Stadtbefestigung.

Vorneweg sei gesagt dass wir uns die Besteigung der Stadtbefestigung gut überlegt haben. Denn die touristischen Zahlen sind hoch, und spätestens seit dem Hype mit „Game of Thrones“ wird die Stadtmauer überrannt. Trotz des wirklich hohen Eintrittspreises. Der jährlich kräftig erhöht wird und im Mai/Juni 2024 € 35 beträgt. Kleiner Tipp dazu: Der Dubrovnik Pass für 1 Tag kostet genau gleich viel, es sind allerdings noch weitere Sehenswürdigkeiten inkludiert. Weshalb wir uns dann auch für diese Option entschieden haben. Nachdem wir entschieden hatten, dass zumindest für uns die Besichtigung der Stadtbefestigung quasi ein Muss ist, auslassen geht nicht. Schon gar nicht, wenn man die abschließende Masterarbeit in Denkmalpflege zum Teil über die mittelalterliche Stadtbefestigung einer unterfränkischen Kleinstadt geschrieben hat und seither von den steinernen Zeugen der Verteidigung nicht mehr loskommt. Und was soll ich sagen, dieser Spaziergang hoch auf den Mauern hat sich absolut ausgezahlt.

Vorab bedenken sollte man auch, dass man annähernd 2km exponiert in Wind und Wetter und auch praller Sonne (die hatten wir eher nicht) auf der Mauerkuppe läuft. Mit sehr vielen Stufen zwischendurch. Nicht nur beim Besteigen, sondern auch immer wieder zwischendrin. Man sollte also gut zu Fuß sein. Und bei Regen wird der Stein schnell extrem glatt. Insofern war ich froh, dass wir es gerade noch vor dem Platzregen wieder nach unten geschafft hatten. Mitreisende hatten nicht ganz so viel Glück.

Eine im Kreuzgang des Franziskanerklosters ausgestellte historische Stadtansicht der Republik Ragusa = Dubrovnik mit der Stadtbefestigung.

Die Stadtmauer von Dubrovnik umschließt auf einer Länge von etwa 1940m, also annähernd 2km, die heutige Altstadt. Bereits Ende des 8. Jahrhunderts begann man mit dem Bau einer Stadtmauer, um die Insel mit der Siedlung vor den Sarazenen zu schützen. Die heute noch vollständig erhaltene Stadtbefestigung entstand in dieser Form vom 12. bis Ende des 17. Jahrhunderts. Und überstand im Gegensatz zu vielen städtischen Bauten das schwere Erdbeben von 1667 nahezu unbeschadet. Ebenso wie zahlreiche Belagerungen seit dem Mittelalter bis ins ausgehende 20. Jahrhundert. Die Höhe von stellenweise bis zu 25m war da sicherlich hilfreich. Ebenso wie die Stärke der Mauern von 4-6m auf der Landseite und 1,5-3m auf der Seeseite. Auf der Landseite war außerdem ein tiefer Schutzgraben und zum Schutz vor Kanonenbeschuss eine zusätzliche schräge Mauer vorgelagert. Generell waren mittelalterliche Stadtmauern eher hoch und nicht gar so dick. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen wurden die Mauern entweder durch Erdwälle verstärkt oder generell dicker gebaut. Außerdem wurden sie nun breiter gebaut, und mit Rundungen und Bastionen versehen, die weniger Angriffsfläche boten. Auch bei der Stadtbefestigung von Dubrovnik kann man diese Entwicklung ganz gut sehen. Aber bevor wir uns hier zu sehr in Befestigungsbau verlieren, starten wir vielleicht lieber unseren Spaziergang.

Es gibt 2 Zugänge zur Stadtmauer, einer im Westen und einer im Osten. Wir haben uns für den Aufstieg im Westen, zwischen Pile-Tor und Franziskanerkloster entschieden. Und werden mit dem Aufstieg über viele Stufen gleich als erstes mit einem guten Blick auf Stradun und den Onofrio-Brunnen belohnt. Die Hauptstraße Stradun markiert den Graben, der in einer frühen Stadtentwicklungsphase zwischen besiedelter vorgelagerter Insel und angrenzendem besiedelten Festland verfüllt wurde. Der Brunnen, das ist die große, oben offene Kuppel.
Der Rundgang auf der Stadtbefestigung ist im Einbahnsystem organisiert, es gibt also nur eine Richtung. Und die führt uns zunächst abwärts Richtung Meer. Zuerst allerdings noch ein Blick auf den Innenhof des ehemaligen Klarissenklosters und auch auf die höhergelegene Befestigung der Landseite, zu der wir am Ende unseres Rundgangs kommen werden. Und ich teste die Panoramafunktion meines Handys. Es wird nicht das einzige Mal bleiben.
Direkt im Blick Fort Bokar (Tvrdava Bokar) aus dem 15. Jdt. und somit angeblich die älteste erhaltene Kasemattenfestung Europas. Sie sollte im Westen das Pile Tor schützen. Auf der anderen Seite der Bucht die zur Stadtbefestigung gehörige, jedoch nicht in den Mauerring integrierte Festung Lovrijenac.
Noch ein Blick zurück zu den eine kleine Bucht rahmenden beiden Festungen im Westen. Im Hintergrund der mit einer Seilbahn erschlossene Hausberg Srđ mit dem napoleonischen Fort Imperial. Aufgrund des Windes war die Seilbahn während unseres Aufenthalts jedoch außer Betrieb.
Blick in private Gärten auf der Innenseite der Mauer. Trotz der engen Gassen und der dicht bebauten Altstadt gibt es immer wieder grüne Oasen.
Gemütlich in den Windschatten einer warmen Mauerecke gekuschelt eine der vielen Katzen. Eine besonders hübsche noch dazu 🙂
Feigenbäume können offensichtlich in jeder kleinsten Nische wachsen.
Oleander auch. Die begegnen in Dalmatien auf Schritt und Tritt. Das ist übrigens ein altes Flachdach.
Den Sportplatz würde man von unten in der engen Schlucht der Stadtmauergasse zwischen den Mauern gar nicht sehen.
Wir nähern uns der Südostecke.
Wandeln auf Höhe der Baumkronen.
Kritisch beäugt von den Baumbewohnern.
Der von der Stadt und der Festung St. Johannes gerahmte Alte Hafen.
Einmal den Alten Hafen umrundet gelangt man zur Nordostecke. Im Hintergrund das Fort Revelin. Ab hier geht es richtig aufwärts.
Entlang des Dominikanerklosters nochmal ein Blick zurück zum Alten Hafen. Links hinter dem Fort St. Johannes die vorgelagerte Insel Lokrum. Übrigens die letzte Insel der südlichen Adria, danach beginnt das offene Meer.
Der ehemalige Stadtgraben auf der Landseite wird zumindest in diesem Abschnitt offensichtlich als Parkplatz genutzt. Gut zu erkennen auch die vorgelagerte schräge zusätzliche Mauer mit den halbrunden Vorlagen, die auf eine renaissancezeitliche Verstärkung hinweist.
Panoramablick über die Altstadt. Links Alter Hafen mit Fort, dahinter Lokrum. Von dieser Warte fallen die schmalen Gassen über viele Stufen bis zur Stradun, um dann Richtung Meer teilweise wieder anzusteigen. Rechts die Festung Lovrijenac.
In der Nordwestecke der runde Turm des Fort Minčeta.
Den man besteigen kann um die Stadt nochmal aus einer anderen Perspektive von oben zu betrachten. Zur Dachdeckung wäre noch zu sagen dass die Dächer durch den Krieg 1991/92 stark beschädigt wurden und die bis dahin erhaltene historische Dachdeckung großteils ersetzt werden musste. Deshalb sind so viele relativ neue Dachdeckungen zu sehen.
Entlang der Gemüsegärten und Innenhöfe des Franziskanerklosters nähern wir uns wieder unserem Ausgangspunkt des Rundwegs und steigen wieder ab Richtung Stradun.

Das war er also nun, unser Spaziergang auf der Stadtbefestigung rund um die Altstadt von Dubrovnik. Mit einem leichten Mehr als die empfohlenen 4-25 Fotos spaziert dieser Beitrag nun zum Monatsspaziergang im Juni bei Kristina Schaper. Bis zum nächsten Mal, es war uns wie immer eine Freude.

6 Kommentare zu „Auf der Stadtbefestigung einmal rund um Dubrovnik“

  1. ich bin sehr beeindruckt von deinem spaziergang und würde ihn sicher auch – trotz der menschenmassen – nicht auslassen. dass dubrovnik hotspot in der urlaubsregion geworden ist, hatte ich schon bei einer reisereportage gesehen – wozu auch die massen an kreuzfahrtschiffen beitragen. dort wurde auch vom venedig-syndrom gesprochen.
    aber deine ausblicke auf stadt, meer und besonders auch auf die hübschen gartenhöfe haben mir sehr gefallen. danke fürs mitnehmen!
    liebe grüße von mano

    1. Die Kreuzfahrtschiffe wurden inzwischen auf 2 am Tag begrenzt, was allerdings immer noch viel ist. Der GoT Tourismus noch dazu, und es ist voll. Und dann stellenweise gar nicht, in den Gassen verläuft es sich dann. Ich kannte die Stadt zuvor nicht, hatte nur mal eine Folge Geschichten aus der Geschichte über die Republik Ragusa gehört, und ich bin begeistert.
      Liebe Grüße, heike

      1. ja, es muss eine tolle stadt sein, wie ich auch schon von anderen hörte. gerade las ich, dass z.Zt. in finnland das größte Kreuzfahrtschiff der welt gebaut wird. es soll 7600 passagiere aufnehmen können… die spinnen doch!!

        1. Schwimmende Stadt. Die sollten sich selbst genug sein. Furchtbar, wenn so ein Moloch dann eine Stadt überschwemmt.
          Liebe Grüße, heike

  2. Tourismus kann Fluch und Segen sein. Ich hoffe, so werden diese faszinierenden alten Bauwerke weiterhin erhalten. Ich hatte den Ort nicht wirklich auf dem Schirm (habe nur die Bücher von GRRM. gelesen) und nur als Name gespeichert. (in Wärme Gefilde zieht es uns weniger, zu warm iR)
    Aber eine faszinierende alte Stadt und so einen Befestigungsgang hätten wir sicher auch gemacht.
    Liebe Grüße
    Nina

    1. Dubrovnik doubelte anscheinend King‘s Landing. Selbst habe ich GoT nie gesehen. Faszinierender als die Filmstory finde ich ja die Vergangenheit als Stadtrepublik Ragusa. Und die tatsächlich rundum erhaltenen Befestigungsanlagen. Da wurde nichts in den 1960er und 70er Jahren zugunsten des Autoverkehrs abgebrochen. Und auch die Bombardierung im Jugoslawienkrieg hat sie überstanden.
      Liebe Grüße, heike

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