Eguisheim war der letzte der Weinbauorte, den wir uns bei unserer Tagestour angesehen haben. Und wenn man glaubt, irgendwie sind die Orte doch eh alle ähnlich, mit dem ganzen Fachwerk und dem Blumenschmuck und der vielen Deko, ist es dann eben doch nicht so. Eguisheim zum Beispiel kann mit einer ziemlich ungewöhnlichen Stadtanlage aufwarten. Gut, eine ovale Ortsform, der ehemaligen Stadtbefestigung folgend, das ist jetzt nicht gar so ungewöhnlich. Aber in Eguisheim gibt es nicht nur eine, sondern eigentlich zwei Stadtmauergassen, die parallel entlang der Stadtmauer verlaufen. Die eine rundum, die zweite, innere, großteils rundum. Und auch um die Burg im Kern ist so eine Häuserfluchtenrundung zu erkennen.
Und da sind wir gleich bei einer weiteren Besonderheit. Die erstmal nicht so besonders scheint. Denn früher, bevor ich mich im Studium mit städtebaulicher Denkmalpflege und danach immer wieder aus Interesse damit beschäftigt habe, hätte ich es genau so erwartet. Im Inneren der Siedlung die Burg, und drum herum, wie schützend, die Häuser gruppiert. Außen dann die Ortsbefestigung in Form einer Stadtmauer. Nur dass dem klassischerweise nicht so ist. Eine Burg ist ja per se bereits ein befestigter Ort, und der Herr des Ortes dann ja auch für den Schutz seiner Untertanen zuständig. Dafür sind sie ihm ja auch abgabenpflichtig, unter anderem. Und so war es eher üblich, dass der befestigte Herrschaftssitz am Ortsrand angesiedelt war und einen Teil der Ortsbefestigung bildete. So war ein Punkt bereits geschützt, und es musste weniger Mauer gebaut werden und auch bewacht und verteidigt werden. Denn die Burg wurde sowieso bewacht und verteidigt. Und erhoben sich die Untertanen mal gegen den Herrn, konnte er auch leichter fliehen, so nebenbei. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass die ab dem 12. Jahrhundert in den Städten entstehenden Bettelordensklöster am Ortsrand angesiedelt wurden. Natürlich auch, weil dort noch Platz war, aber zusätzlich noch, weil dann das Kloster für diesen Teil der Stadtbefestigung zuständig war. So eine Stadtmauer war schließlich teuer, in Bau und Unterhalt. Und obwohl die Untertanen Hand- und Spanndienste leisten mussten, war das nicht ausreichend.
Und in Eguisheim ist es eben nicht so. Dort befindet sich der befestige Herrschaftssitz tatsächlich im Kern der Siedlung. Mit einer weiteren Häuserreihe halbkreisförmig wie schützend drum herum gruppiert. Und entlang der Stadtmauer die Mauergassen. Nicht nur einmal habe ich die Bezeichnung Zwiebel für die Stadtanlage von Eguisheim gelesen.

War ja irgendwie zu erwarten, dass wir dann gleich nach dem Betreten nach links in die äußere Mauergasse einebogen sind, statt erstmal die Grand Rue entlang zu spazieren. Zuerst die Rue du Rempart Sud und dann noch die Rue du Rempart Nord entlang, sind wir einmal rundum spaziert, mit einem gelegentlichen Blick in die innere Mauergasse.

Ursprünglich zog sich um die Siedlung ein Mauerring mit vier Toren. Der mit einem zweiten parallelen Mauerring ergänzt wurde. Der nicht bebaute Zwischenraum zwischen den Befestigungsmauern wurde als Allmende genutzt, als Gemeinschaftsfläche. Ab dem 16. Jhdt. (nach den großen Kriegen, sagt die Tafel) wurde die Stadtmauer in der Höhe reduziert und mit Häusern dicht an dicht überbaut.
Heute sind diese Mauergassen mit ihrer Fachwerkbebauung sehr pittoresk und der schönste Teil von Eguisheim. Nicht von ungefähr ist Eguisheim als eines der Les Plus Beaux Villages de France klassifiziert. Deshalb spanne ich euch nun nicht länger auf die Folter und nehme euch mit auf unseren Spaziergang.













Schließlich sind wir dann aber doch noch im Zentrum gelandet und haben uns die Burg zumindest von außen angesehen. Die Burganlage wurde im 19. Jhdt. stark verändert, einiges abgebrochen und dafür eine Kirche in Angedenken Papst Leo IX. errichtet, der vielleicht oder auch nicht in der Burg geboren wurde und hier aufwuchs.
Leider mussten wir das Auto noch vor 18 Uhr wieder zurückbringen, so dass wir keine Zeit mehr hatten, irgendwo ein Glas Wein zu trinken oder noch ein bisschen durch den Ort zu flanieren. Was wir gesehen haben hat uns jedenfalls gut gefallen.

Niwibo sucht Bunt im September, Bunt gibt es in Eguisheim zuhauf. Nur leider war die Linkparty früher zu Ende als der September.
