Ein paar Details und Türen und Portale gab es ja schon zu sehen aus Braunschweig, aber ich hab noch mehr. Unglaublich, was man an eineinhalb Tagen so sehen kann in Braunschweig. Eigentlich ist es derselbe Spaziergang wie schon bei den Details. Einige der besichtigten Gebäude, vor allem die Kirchen, haben mich aber so fasziniert, dass ich gerne noch ein bisschen mehr zeigen möchte.
Ein Foto vom Braunschweiger Löwen am Burgplatz darf natürlich auch nicht fehlen, auch wenn seit 1980 nur eine Kopie der zwischen 1164 und 1176 entstandenen Bronzeskulptur auf dem Sockel steht. Das Original der ersten freistehenden profanen Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen (lt. Wikipedia, siehe hier) wurde zum Schutz ins Museum verbracht. Da die Burg Dankwarderode derzeit geschlossen ist, kann der Braunschweiger Löwe im Original derzeit im Herzog Anton Ulrich Museum besichtigt werden.
Meine Informationen in den erläuternden Texten habe ich großteils den an vielen Stellen in der Stadt verteilten und sehr informativen Infotafeln entnommen, teilweise ergänzt durch nachlesen der entsprechenden Gebäude, vor allem der Kirchen, auf Wikipedia.

Das Magniviertel ist übrigens eine der Traditionsinseln in Braunschweig. Da Braunschweig im 2. Weltkrieg stark zerstört wurde, wurden an einigen Stellen Bereiche festgelegt, deren historische Substanz zu erhalten war und ist und auch teilweise rekonstruiert wurde.
Als erstes stand ein Besuch der Magnikirche an. Leider hatte ich zunächst kein Glück, denn obwohl am Portal eine Öffnungszeit ab 9 Uhr angeschrieben war, war die Tür um halb 10 noch verschlossen. Den Rundgang Hinter der Magnikirche hatte ich bereits am Vorabend gemacht, die Kirche versprach mit den Ergänzungen der 1950er Jahre auch innen interessant zu sein. Beim erneuten Versuch am Nachmittag hatte ich dann Glück und konnte auch das Innere besichtigen.




Die Weiheurkunde von St. Magni stammt von 1031, in ihr ist mit „brunesguik“ auch erstmals der Name Braunschweig für die Stadt erwähnt. Der derzeitige Kirchenbau wurde zwischen 1252 und 1475 errichtet. Reste des Vorgängerbaus sind nur noch in den Fundamenten erhalten geblieben. An den noch an die Romanik erinnernden quaderförmigen und sehr geschlossenen Westriegel wurde eine dreischiffige gotische Hallenkirche angebaut. Im April 1944 wurde die Kirche stark beschädigt, einzig der Turm und die Säulenarkaden des Langhauses standen nach der Bombadierung noch. Von 1956-64 wurde die Kirche in sehr veränderter Form und teilweise moderner Formensprache wieder aufgebaut. Kritisiert beim Wiederaufbau wurde, dass noch vorhandene historische Bausubstanz zerstört wurde und an anderer Stelle verfälscht rekonstruiert wurde. So wurden die noch vorhandenen nördlichen Säulenarkaden zugunsten eines stützenlosen großen Kirchenraums abgebrochen, die völlig zerstörte Apsis hingegen wurde mit maßwerklosen gotischen Fenstern rekonstruiert. Heute ist die Magnikirche eine der wenigen Kirchen Deutschlands, die ihre starke Zerstörung im 2. Weltkrieg sichtbar dokumentieren.




In Sichtweite zu den Schlossarkaden steht der riesige Komplex des ehemaligen Kaufhauses Horten leer. Den empfinden viele als hässlich. Verglichen mit den Schlossarkaden gefällt mir der Horten mit seiner weißen Gitterfassade und den dunklen Aufbauten aus den späten 1960ern oder frühen 1970ern jedoch deutlich besser.
So, genug gemeckert. Wenden wir uns lieber wieder angenehmeren Bauten zu.



Die Domkirche St. Blasii wurde 1173 als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika begonnen und 1226 geweiht. Auch der Dom hat einen Westriegel. Sowie einen Hochchor, der sich über der Krypta befindet.









Wie der Dom wurde die Martinikirche ursprünglich als romanische Pfeilerbasilika errichtet und wurde etwa zur gleichen Zeit fertig wie der Dom. Zwischen 1250 und 1400 wurde die Kirche zu einer gotischen Hallenkirche ausgebaut. Typisch für die Gegend sind die vielen Jochgiebel, dieses Element ist am Dom ebenfalls zu finden. Und auch die Martinikirche hat einen Westriegel. Zum Thema Sächsischer Westriegel weiß Wikipedia mehr.
Die Martinikirche konnte ich also nicht besichtigen. Beim Durchstreifen der Umgebung An der Martinikirche und des Eiermarkts fiel mir in einer Nebengasse ein hinter einer weiteren Kapelle hervorlugendes Stück rotbraune Rostfassade aus Cortenstahl auf. Natürlich musste ich mir das genauer ansehen und habe mich hinter die Jakobkirche vorgewagt. Und mir wurde ein Kleinod gezeigt. Denn die nette Dame, die die Aufsicht hatte, bat mich hinein und hat mich durch das Gebäude geführt. Es handelt sich um eine mittelalterliche Kemenate, also einen beheizbaren Wohnraum. Der vordere Hausteil des Mitte des 13. Jahrhunderts entstandenen Gebäudes wurde im 2. Weltkrieg zerstört, die noch bestehenden Gemäuer des hinteren Teils wurden mit einem Notdach gesichert. Die Ruinenteile wurden 2006 in das Kunstprojekt jakob-kemenate integriert und mit einem neuen Vorderhaus in alter Kubatur, aber neuer Formensprache ergänzt. Im Inneren gibt es unter anderem eine ebenfalls auf etwa 1250 datierte Holzdecke mit noch teilweise vorhandener pflanzlicher Bemalung zu sehen, und auch ein teilweise zugemauertes Biforien- oder gar Triforienfenster (beides im Detail-Beitrag zu sehen). Mehr Info zur Kemenate gibt es auf Wikipedia.

Der Besuch hat sich gelohnt, die Architektur wie auch die derzeitige Ausstellung haben mir gut gefallen, das Gespräch mit der ehrenamtlichen Aufsichtsdame und dann auch noch mit ihrer Ablösung war sehr nett, ein Glas Wasser bekam ich auch noch angeboten.





Gesehen hätte ich noch einiges mehr, zu zeigen gäbe es auch noch mehr, die lustige Skulptur Kattreppeln zum Beispiel. Allein die maximale Fotoanzahl ist erreicht, wenn nicht gar überschritten. Besser nicht nachzählen 😉

Auch dieser Spaziergang darf zum Monatsspaziergang im Juli bei 3he fecit.
