Wie jedes Jahr zu Weihnachten treffen wir uns auch mit der Kindheitsfreundin. Seit sie auf den Hund gekommen ist, beinhaltet dieses Treffen auch immer einen längeren Spaziergang mit dem Hund. Die beiden Männer dürfen natürlich auch mit. Diesmal haben wir uns ein paar Kilometer von ihrem Wohnort entfernt am Happurger Stausee getroffen. Der liegt genau am Weg, wenn ich vom Dorf meines Bruders zu ihrem Wohnort fahre. Ich bin also schon sehr oft daran vorbeigefahren. Und obwohl ich in meiner Jugend recht oft am benachbarten Baggersee Baden war, war ich noch nie so wirklich am Stausee. Vielleicht auch deshalb, weil damals das Kraftwerk noch in Betrieb war. Die Hunderunde um den Stausee war also nicht nur für den Besten das erste Mal, auch für mich. Im Ort Happurg bin ich dann doch ein paar Mal gewesen, es gab dort eine zeitlang einen netten kleinen Flohmarkt, die dort erstandenen Schätze habe ich fast alle heute noch. Und auch der Ortskern mit seinen alten Gebäuden wäre einen Monatsspaziergang wert. Den müssen wir ein andermal nachholen. Denn am 27.12. haben wir am Nachmittag nur die Runde um den Stausee geschafft.
Der Happurger Stausee wurde ab 1955 als Unterbecken für das Pumpspeicherkraftwerk Happurg angelegt. Das Oberbecken entstand am benachbarten Deckersberg (586m). Das Pumpspeicherkraftwerk der Großkraftwerk Franken AG gehört heute zu Uniper und ging 1958 in Betrieb. Die Fallhöhe von Oberbecken zu Unterbecken beträgt 209m. Das Oberbecken hat ein Volumen von 1,8 Millionen Kubikmeter und konnte Wasser mit einer Lageenergie für 840 MWh Strom speichern. Es war damit das größte Pumpspeicherkraftwerk in Bayern (Quelle: Wikipedia). Bereits 1962 war das Oberbecken das erste Mal undicht und musste saniert werden. Das Wasser versickerte in den Rissen und Spalten der karstigen Hersbrucker Alb. Ein das Oberbecken unterquerendes Karst-Höhlensystem war dann auch die Ursache für weitere 2011 entdeckte Einbrüche und Wasserverlust. Das Oberbecken wurde vorsorglich geleert und das Kraftwerk außer Betrieb genommen. Seither wurden verschiedene Lösungsansätze verfolgt, die angekündigte Sanierung jedoch nie so recht angefangen und immer wieder verschoben. Seit Anfang 2025 wird nun allerdings wirklich gebaut am Gelände des Kraftwerks, laut Ankündigung von Uniper soll das Pumpspeicherkraftwerk bis 2028 wieder in Betrieb gehen.
Nach dieser kurzen Einführung wird es nun aber Zeit für den Spaziergang um den Stausee.





Der Bergrücken am gegenüberliegenden Seeufer ist die Houbirg. Auf 617m Höhe befindet sich dort im Wald ein abgegangenes keltisches Oppidum gleichen Namens. Im rechts aus dem Berg ragenden Felsstück befindet sich eine Hohler Fels genannte Höhle mit einem prähistorischen Fundplatz und einem tollen Ausblick über Gegend und nun auch See. Weiß ich sogar aus eigener Anschauung, war die Höhle doch immer mal wieder Ziel von Wanderungen mit Schule und Freunden. Auch die noch im Wald erkennbaren Reste der teilweise noch bis zu 10m hohen Wallanlagen des keltischen Oppidums machen die Wanderung zu einem Erlebnis. Eigentlich wäre es mal wieder Zeit für diese Wanderung…











So idyllisch die Gegend mit dem Stausee und den umgebenden Bergen der Hersbrucker Alb wirkt, möchte man fast nicht glauben, dass gerade der Stausee auch ein dunkles Kapitel der Geschichte Deutschlands und der Gegend verbirgt. Entstand doch am südöstlichen Ende des heutigen Seegebiets ab 1944 ein nie ganz vollendetes Außenlager des KZ Flossenbürg. Es wurde als Erweiterung des bereits bestehenden Lagers in Hersbruck am Ortsrand von Förrenbach errichtet. Die hier Inhaftierten wurden zur Zwangsarbeit bei der Errichtung der Doggerstollen eingesetzt. In den Sandstein der Houbirg, also des benachbarten Berges, sollte ein unterirdisches Werk zur Herstellung von kriegswichtigen Flugzeugmotoren getrieben werden, nach dem vorhandenen Sandstein Doggerwerk genannt. In den knapp zwölf Monaten, die an diesem Wahnsinnswerk gearbeitet wurde, kamen dokumentiert 3580 Menschen um. Es wird allerdings von mehr als 4000 Toten ausgegangen. Das im Januar 1945 in Betrieb genommene Krematorium am Gelände war Tag und Nacht in Betrieb und verbreitete seinen Geruch durch das ganze Tal. Zumindest hier kann also niemand sagen, dass man das ja alles nicht wusste. Als das Krematorium nicht mehr ausreichte, verbrannte man auch Leichen im Wald bei Schupf und Hubmersberg. Dort gibt es heute Erinnerungsmale. Am 27. April 1945 befreite die US-Army noch 598 Zwangsarbeiter. Die letzten baulichen Reste des Förrenbacher Lagers verschwanden 1955 mit dem Bau des Stausees. (Quelle: Tafel 7 des Happurger Geschichtswegs um den Stausee).
Und die Doggerstollen? Auf Wikipedia gibt es Artikel zu den Doggerstollen und zum KZ-Außenlager Hersbruck und auch weiterführende Links.







Das war unser Spaziergang um den Happurger See. Ein sonniger Spaziergang mit düsteren Schatten. Ich hoffe er hat euch trotzdem gefallen. Auf Wikipedia gibt es noch ein paar mehr Informationen zum Happurger Stausee und seiner Umgebung.
Ab damit zum Monatsspaziergang.

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